LSD Psychose — Symptome, Wahrscheinlichkeit und wissenschaftliche Fakten
Die Frage, ob LSD eine Psychose auslösen kann, beschäftigt die psychiatrische Forschung seit den 1960er-Jahren. LSD Psychose bezeichnet eine substanzinduzierte psychotische Episode, die während oder nach der Einnahme von Lysergsäurediethylamid ((6aR,9R)-N,N-Diethyl-7-methyl-4,6,6a,7,8,9-hexahydroindolo[4,3-fg]chinolin-9-carboxamid) auftreten kann. Dieser Artikel fasst den aktuellen Forschungsstand zu Symptomen, Wahrscheinlichkeit, Risikofaktoren sowie den Unterschied zwischen Psychose, Flashbacks und HPPD zusammen — evidenzbasiert und ohne Verharmlosung.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er dient ausschließlich der wissenschaftlichen Aufklärung. Wenn Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld akute psychotische Symptome zeigt, rufen Sie umgehend den Notruf (112) an.
Was ist eine LSD-Psychose? — Definition und Abgrenzung
Was ist eine LSD-Psychose? In der klinischen Psychiatrie wird eine LSD-Psychose als substanzinduzierte psychotische Störung klassifiziert (ICD-11: 6C4D, DSM-5: 292.x). Sie beschreibt einen Zustand, in dem eine Person nach dem Kontakt mit LSD Symptome entwickelt, die den Kriterien einer psychotischen Episode entsprechen — insbesondere Halluzinationen, Wahnvorstellungen und einen Realitätsverlust, der über die erwartete pharmakologische Wirkung der Substanz hinausgeht.[1]
Es ist essenziell, eine LSD-Psychose von einem sogenannten „Bad Trip" abzugrenzen:
| Merkmal | Bad Trip (Angstreaktion) | LSD-Psychose (substanzinduziert) |
|---|---|---|
| Realitätsbezug | Teilweise erhalten — Person weiß, dass sie eine Substanz eingenommen hat | Vollständig aufgehoben — kein Bewusstsein für den Substanzeinfluss |
| Dauer | Klingt mit der Substanzwirkung ab (8–12 Stunden) | Kann Tage, Wochen oder länger anhalten |
| Symptome | Angst, Panik, unangenehme Wahrnehmungsveränderungen | Wahnvorstellungen, Ich-Auflösung, Paranoia, Denkstörungen |
| Klinische Relevanz | Meist selbstlimitierend, selten behandlungsbedürftig | Psychiatrische Notfallversorgung erforderlich |
| Häufigkeit | Relativ häufig (bis zu 10 % aller Erfahrungen)[2] | Selten (geschätzt <0,1–0,3 %)[3] |
Fachlich wird der Begriff „LSD-Psychose" in der Forschungsliteratur teils kritisch betrachtet, da er eine monokausale Beziehung suggeriert. Aktuellere Publikationen sprechen häufiger von hallucinogen-related psychotic disorder oder substance-induced psychosis, um die multifaktorielle Ätiologie zu betonen.[4] Weitere Grundlagen zur Substanz selbst finden Sie unter Was ist LSD.
Wie äußert sich eine LSD-Psychose? — Symptome im Detail
Wie äußert sich eine LSD-Psychose? Die Symptomatik ähnelt in vielen Aspekten einer akuten Psychose anderer Genese, weist jedoch einige substanzspezifische Besonderheiten auf. Die Forschungsgruppe um Strassman (1984) und Carhart-Harris et al. (2016) haben folgende Kernmerkmale dokumentiert:[5][6]
Positive Symptome
- Visuelle und auditive Halluzinationen — oft intensiver als bei Schizophrenie; geometrische Muster, synästhetische Wahrnehmungen
- Wahnvorstellungen — insbesondere Größenwahn, Verfolgungswahn oder die Überzeugung, „die Realität durchschaut" zu haben
- Ich-Auflösung (Ego-Dissolution) — Auflösung der Grenzen zwischen Selbst und Umwelt, die in eine Panik münden kann
- Denkstörungen — zerfahrenes Denken, Ideenflucht, Gedankenblockaden
- Paranoide Ideation — tiefes Misstrauen gegenüber der Umgebung
Negative Symptome
- Affektverflachung — emotionale Abstumpfung nach Abklingen der Akutphase
- Sozialer Rückzug — Kommunikationsverweigerung, Apathie
- Antriebslosigkeit — teils Wochen nach der Episode
Somatische Begleitsymptome
- Mydriasis (Pupillenerweiterung), Tachykardie, Hypertonie
- Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit
- Motorische Unruhe oder katatone Zustände
LSD-Psychose Symptome treten typischerweise auf dem Höhepunkt der Substanzwirkung auf, können sich aber auch erst Stunden nach dem Abklingen der primären Effekte manifestieren (sogenannte delayed psychosis).[7] Informationen zur normalen Substanzwirkung finden Sie unter LSD Wirkung.
Wie wahrscheinlich ist eine Psychose durch LSD? — Statistiken und Studien
Wie wahrscheinlich ist eine Psychose bei LSD? Die epidemiologischen Daten zu substanzinduzierten Psychosen durch Halluzinogene sind begrenzt, da kontrollierte Studien am Menschen lange Zeit ethisch nicht genehmigt wurden. Dennoch liefern mehrere Quellen belastbare Zahlen:
| Studie | Stichprobe | Psychose-Inzidenz | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Cohen (1960)[8] | 5.000 Sitzungen (klinisch) | 0,08 % (psychotische Reaktionen) | Therapeutisches Setting, gescreente Teilnehmer |
| Strassman (1984)[5] | Meta-Review klinischer Daten | 0,1–0,3 % bei Prädisposition | Risiko steigt bei familiärer Belastung erheblich |
| Krebs & Johansen (2013)[9] | 130.152 Befragte (NSDUH) | Kein signifikanter Zusammenhang zu psychischen Erkrankungen | Populationsstudie, kein kontrolliertes Design |
| Johnson et al. (2018)[10] | Klinische Psilocybin-Studien (LSD-analog) | 0 % schwere Nebenwirkungen bei gescreenter Population | Strenge Ausschlusskriterien, kontrolliertes Setting |
| Liechti (2017)[11] | Review klinischer LSD-Studien | Kein Fall prolongierter Psychose in modernen Studien | Dosen: 100–200 µg, psychiatrisch gescreent |
Die Daten zeigen ein differenziertes Bild: Kann LSD eine Psychose auslösen? Ja — in seltenen Fällen ist dies dokumentiert. Die Wahrscheinlichkeit variiert jedoch massiv je nach individueller Vulnerabilität, Setting und Dosierung. In kontrollierten klinischen Studien mit psychiatrisch gescreenten Probanden liegt das Risiko bei nahezu null. In unkontrollierten Settings und bei prädisponierten Personen steigt es signifikant an.[3][5]
Kann man von LSD Psychosen bekommen? Die Forschung legt nahe, dass LSD bei der Mehrzahl der Menschen keine Psychose verursacht, bei vulnerablen Personen jedoch als Trigger für eine latent vorhandene psychotische Störung fungieren kann.[4]
Risikofaktoren — Wer ist besonders gefährdet?
Die Forschung hat mehrere Faktoren identifiziert, die das Risiko einer substanzinduzierten Psychose durch Halluzinogene erhöhen:
| Risikofaktor | Evidenzstärke | Erläuterung |
|---|---|---|
| Familiäre Vorbelastung (Schizophrenie, bipolare Störung) | Hoch[5][12] | Erstgradige Verwandte mit psychotischen Störungen erhöhen das Risiko um den Faktor 5–10 |
| Persönliche psychiatrische Vorgeschichte | Hoch[4] | Frühere psychotische Episoden, Borderline-Persönlichkeitsstörung |
| Junges Alter (14–25 Jahre) | Mittel[12] | Das sich entwickelnde Gehirn zeigt höhere Vulnerabilität; Schizophrenie manifestiert sich typischerweise in dieser Phase |
| Hohe Dosierung | Mittel[11] | Dosisabhängige Zunahme dissoziativer und psychotomimetischer Effekte |
| Unkontrolliertes Setting | Mittel[10] | Fehlende Betreuung, stressiges Umfeld, unbekannte Umgebung |
| Schlafmangel und körperliche Erschöpfung | Niedrig–Mittel | Senkt die Schwelle für psychotische Dekompensation |
| Mischgebrauch mit Cannabis oder Stimulanzien | Mittel[7] | Cannabis potenziert psychotomimetische Effekte von Halluzinogenen |
Klinische Studien an Universitäten (Johns Hopkins, Imperial College London, Universität Basel) schließen Probanden mit den oben genannten Risikofaktoren konsequent aus — was erklärt, warum in diesen Studien keine psychotischen Episoden auftreten.[10][11] Weiterführende Informationen zu LSD Sicherheit und Kontraindikationen finden Sie auf der entsprechenden Seite.
LSD-Flashbacks — Was ist ein Flashback?
Was ist ein LSD-Flashback? Ein Flashback beschreibt das plötzliche, unerwartete Wiedererleben von Wahrnehmungsveränderungen, die ursprünglich während der LSD-Wirkung auftraten — Wochen, Monate oder in seltenen Fällen Jahre später. Flashbacks sind typischerweise kurz (Sekunden bis Minuten) und umfassen visuelle Phänomene wie Nachbilder, geometrische Muster, Halo-Effekte oder Veränderungen der Farbwahrnehmung.[13]
Die Terminologie ist in der Fachliteratur nicht einheitlich. Zu unterscheiden sind:
- Gelegentliche Flashbacks: Kurze, nicht belastende Episoden, die von den Betroffenen neutral oder sogar positiv bewertet werden. Studien zeigen, dass bis zu 20–30 % aller Personen, die Halluzinogene eingenommen haben, mindestens einen solchen Flashback berichten.[13]
- Klinisch relevante Flashbacks: Wiederkehrende, belastende Episoden, die die Lebensqualität beeinträchtigen und unter Umständen die Diagnosekriterien für HPPD (siehe nächster Abschnitt) erfüllen.
Neurobiologisch werden Flashbacks mit einer veränderten serotonergen Signalübertragung in Zusammenhang gebracht, insbesondere an 5-HT2A-Rezeptoren im visuellen Kortex. Die genauen Mechanismen sind jedoch bislang nicht abschließend geklärt.[6] Mehr zur allgemeinen Erfahrung finden Sie unter LSD Trip.
HPPD — Hallucinogen Persisting Perception Disorder
LSD HPPD (Hallucinogen Persisting Perception Disorder) ist eine eigenständige diagnostische Kategorie im DSM-5 (292.89). Sie beschreibt persistierende Wahrnehmungsstörungen nach Halluzinogengebrauch, die nicht durch eine andere psychiatrische oder neurologische Erkrankung erklärbar sind.[14]
DSM-5 Diagnosekriterien für HPPD
- Wiedererleben visueller Wahrnehmungsstörungen, die während der Halluzinogeneinnahme auftraten
- Die Symptome verursachen klinisch relevantes Leiden oder Beeinträchtigungen
- Die Symptome sind nicht durch eine andere Erkrankung (Epilepsie, Migräne, Schizophrenie) erklärbar
HPPD vs. LSD-Psychose — Vergleich
| Merkmal | HPPD | LSD-Psychose |
|---|---|---|
| Realitätsbezug | Erhalten — Betroffene wissen, dass Wahrnehmungen nicht real sind | Aufgehoben — kein Krankheitseinsicht |
| Kernsymptome | Visuelle Störungen: Nachbilder, Halos, geometrische Muster, Visual Snow | Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen |
| Kognition | Intakt | Beeinträchtigt |
| Verlauf | Chronisch, fluktuierend; kann Monate bis Jahre anhalten | Akut; meist Tage bis Wochen, selten länger |
| DSM-5 Klassifikation | 292.89 — Hallucinogen Persisting Perception Disorder | 292.x — Substance-Induced Psychotic Disorder |
| Behandlung | Symptomatisch (Benzodiazepine, Lamotrigin, Clonidin)[14] | Antipsychotika, stationäre Psychiatrie |
| Prävalenz | Geschätzt 1–4,2 % der Halluzinogenkonsumenten[14] | <0,1–0,3 %[5] |
HPPD wird in der klinischen Praxis häufig fehldiagnostiziert — entweder als Angststörung, Migräne mit Aura oder als psychotische Störung. Eine genaue Anamnese des Substanzgebrauchs ist für die korrekte Diagnosestellung entscheidend.[14] Weitere Informationen zu LSD Langzeitfolgen finden Sie auf unserer Übersichtsseite.
Wie lange dauert eine LSD-Psychose?
Wie lange dauert eine LSD-Psychose? Die Dauer variiert erheblich je nach individueller Vulnerabilität, Dosierung und Behandlungszeitpunkt:
- Akute psychotische Reaktion (häufigste Form): Klingt innerhalb von 24–72 Stunden nach Substanzabbau ab. Diese Form wird manchmal als prolongierter Bad Trip fehlinterpretiert, erfüllt aber die diagnostischen Kriterien einer substanzinduzierten Psychose, wenn der Realitätsbezug vollständig aufgehoben ist.[7]
- Subakute Psychose: Dauert Tage bis Wochen. Typisch bei Personen mit bestehender Vulnerabilität. Erfordert in der Regel stationäre psychiatrische Behandlung mit antipsychotischer Medikation.[4]
- Chronifizierung (selten): In seltenen Fällen — insbesondere bei Erstmanifestation einer Schizophrenie — kann eine substanzinduzierte Psychose in eine chronische psychotische Störung übergehen. Hier wird diskutiert, ob LSD die Psychose verursacht oder lediglich eine prädisponierte Erkrankung getriggert hat, die sich auch ohne Substanzkontakt manifestiert hätte.[5][12]
Studiendaten aus dem Psilocybin-Forschungsprogramm der Johns Hopkins University zeigen, dass bei psychiatrisch gescreenten Probanden prolongierte psychotische Reaktionen (>48 Stunden) in keiner der kontrollierten Studien beobachtet wurden.[10]
LSD und Angstzustände — Kann LSD Angst heilen oder auslösen?
Die Beziehung zwischen LSD und Angst ist bidirektional — und diese Ambivalenz spiegelt sich in der Forschungsliteratur wider.
LSD als potentieller Anxiolytikum-Kandidat
Ist LSD gut gegen Angstzustände? Mehrere klinische Studien deuten darauf hin, dass LSD unter kontrollierten Bedingungen angstlösende Langzeiteffekte haben kann:
- Gasser et al. (2014): LSD-assistierte Psychotherapie bei Patienten mit Angst im Zusammenhang mit lebensbedrohlichen Erkrankungen zeigte signifikante und anhaltende (12 Monate) Angstreduktion.[15]
- Holze et al. (2022): An der Universität Basel konnte gezeigt werden, dass eine einzelne LSD-Sitzung (100 µg) die Angst bei gesunden Probanden für mindestens 16 Wochen reduzierte.[16]
- Neurobiologischer Mechanismus: LSD moduliert die Amygdala-Reaktivität über 5-HT2A-Agonismus und fördert neuronale Plastizität im präfrontalen Kortex.[6]
Hilft LSD gegen Angstzustände? Die Studienlage ist vielversprechend, jedoch handelt es sich um kontrollierte klinische Settings mit professioneller psychotherapeutischer Begleitung. Eine Selbstmedikation ist wissenschaftlich nicht gestützt und kann das Gegenteil bewirken.
LSD als Angstauslöser
Akut kann LSD intensive Angst bis hin zu Panikattacken und psychotischen Angstzuständen auslösen. Besonders bei hohen Dosen, unkontrolliertem Setting oder psychischer Vorbelastung überwiegt das Risiko einer Angstexazerbation gegenüber einem potentiellen therapeutischen Nutzen.[2][11]
Mehr zur Substanz und ihrer Abhängigkeitsgefahr unter LSD Suchtgefahr.
Notfallmaßnahmen bei psychotischen Episoden
Psychotische Reaktionen auf Halluzinogene sind medizinische Notfälle. Die folgenden Maßnahmen basieren auf Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) sowie internationalen Leitlinien:[17]
Sofortmaßnahmen
- Notruf alarmieren (112) — psychotische Episoden erfordern professionelle Intervention
- Reizminimierung: Ruhige Umgebung, gedämpftes Licht, keine lauten Geräusche
- Kommunikation: Ruhig, langsam, einfach sprechen; nicht argumentieren, nicht mit Realität konfrontieren
- Sicherheit: Sicherstellen, dass die Person sich oder andere nicht gefährdet; potenziell gefährliche Gegenstände entfernen
- Nicht allein lassen: Kontinuierliche Anwesenheit einer ruhigen Bezugsperson
Klinische Behandlung
- Benzodiazepine (z. B. Lorazepam 1–2 mg) als First-Line-Behandlung für akute Agitation[17]
- Antipsychotika (z. B. Haloperidol, Olanzapin) bei persistierenden psychotischen Symptomen
- Monitoring: Vitalzeichen, Bewusstseinslage, Fremd- und Eigengefährdung
Hinweis: Dieser Abschnitt dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Notfallausbildung.
FAQ — Häufig gestellte Fragen zur LSD-Psychose
Kann LSD eine Psychose auslösen?
Ja, in seltenen Fällen kann LSD eine substanzinduzierte psychotische Episode auslösen. Das Risiko liegt in klinischen Studien mit gescreenten Probanden bei nahezu null Prozent, steigt jedoch bei Personen mit familiärer Vorbelastung für Schizophrenie oder bipolare Störungen signifikant an. LSD wird in der Forschung nicht als primäre Ursache, sondern als potenzieller Trigger bei bereits vorhandener Vulnerabilität betrachtet.[4][5]
Was ist ein LSD-Flashback und wie häufig tritt er auf?
Ein LSD-Flashback ist das spontane Wiedererleben von Wahrnehmungsveränderungen (z. B. visuelle Muster, Nachbilder, Farbverschiebungen), die ursprünglich während der LSD-Wirkung auftraten. Studien zeigen, dass 20–30 % aller Personen mit Halluzinogenerfahrung mindestens einen Flashback berichten, wobei die meisten als nicht belastend eingestuft werden. Klinisch relevante Flashbacks, die die Lebensqualität beeinträchtigen, sind deutlich seltener und können unter das Diagnosekriterium HPPD fallen.[13]
Was ist HPPD und steht es im Zusammenhang mit LSD?
HPPD (Hallucinogen Persisting Perception Disorder) ist eine im DSM-5 (292.89) anerkannte Diagnose. Sie beschreibt anhaltende visuelle Wahrnehmungsstörungen nach Halluzinogengebrauch — wie Visual Snow, Nachbilder oder Halos — bei erhaltenem Realitätsbezug. Im Gegensatz zur LSD-Psychose besteht bei HPPD keine Beeinträchtigung der Kognition oder Wahnbildung. Die geschätzte Prävalenz liegt bei 1–4,2 % der Halluzinogenkonsumenten.[14]
Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine LSD-induzierte Psychose?
Das höchste Risiko besteht bei Personen mit einer familiären Vorbelastung für psychotische Störungen (Schizophrenie, schizoaffektive Störung, bipolare Störung Typ I). Weitere Risikofaktoren sind eine persönliche psychiatrische Vorgeschichte, junges Alter (14–25 Jahre), hohe Dosierung, unkontrolliertes Setting und gleichzeitiger Gebrauch anderer psychoaktiver Substanzen, insbesondere Cannabis.[5][12]
Kann eine LSD-Psychose dauerhaft sein?
Die meisten substanzinduzierten psychotischen Episoden durch LSD klingen innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ab. In seltenen Fällen kann eine LSD-Psychose jedoch in eine chronische psychotische Störung übergehen — insbesondere wenn sie die Erstmanifestation einer latenten Schizophrenie darstellt. Die Forschung diskutiert, ob LSD in solchen Fällen die Ursache oder lediglich der Auslöser einer Erkrankung ist, die sich auch ohne Substanzkontakt entwickelt hätte.[5][12]
Quellenverzeichnis
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- Strassman RJ. Adverse reactions to psychedelic drugs. A review of the literature. J Nerv Ment Dis. 1984;172(10):577–595. doi:10.1097/00005053-198410000-00001
- Carhart-Harris RL, Muthukumaraswamy S, Roseman L, et al. Neural correlates of the LSD experience revealed by multimodal neuroimaging. Proc Natl Acad Sci U S A. 2016;113(17):4853–4858. doi:10.1073/pnas.1518377113
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- Cohen S. Lysergic acid diethylamide: side effects and complications. J Nerv Ment Dis. 1960;130(1):30–40. doi:10.1097/00005053-196001000-00005
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- Schindler EAD, Gottschalk CH, Weil MJ, Shapiro RE, Wright DA, Sewell RA. Indoleamine Hallucinogens in Cluster Headache: Results of the Clusterbusters Medication Use Survey. J Psychoactive Drugs. 2015;47(5):372–381. doi:10.1080/02791072.2015.1107664 — Ergänzend: NICE Guidelines für akute psychotische Episoden (2014).
⚠️ Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der wissenschaftlichen Aufklärung und Forschungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht die Konsultation eines Arztes oder Psychiaters. Die beschriebenen Substanzen unterliegen in Deutschland teilweise dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) oder dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). LSD ((6aR,9R)-N,N-Diethyl-7-methyl-4,6,6a,7,8,9-hexahydroindolo[4,3-fg]chinolin-9-carboxamid) ist in Deutschland nach BtMG Anlage I nicht verkehrsfähig. Dieser Artikel bezieht sich auf publizierte wissenschaftliche Forschungsergebnisse und enthält keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Einnahme illegaler Substanzen.
Zuletzt aktualisiert: März 2026 | shop-lsd.de