LSD Therapie - Psychedelische Psychotherapie und aktuelle Forschung

Kann LSD bei Depressionen helfen? Wird LSD therapeutisch eingesetzt? Und kann man sich LSD verschreiben lassen? Diese Fragen beschäftigen die psychiatrische Forschung seit über 70 Jahren — und erleben seit den 2010er-Jahren eine wissenschaftliche Renaissance. Die LSD Therapie, auch als psychedelisch-assistierte Psychotherapie bekannt, gehört zu den vielversprechendsten Forschungsansätzen der modernen Psychiatrie. Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen: von den historischen Pionierarbeiten über die neuesten klinischen Studien bis hin zur rechtlichen Situation in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Forschungszwecken. LSD (Lysergsäurediethylamid) unterliegt in Deutschland dem BtMG. Therapeutische Anwendungen sind nur im Rahmen klinischer Studien oder behördlicher Ausnahmegenehmigungen möglich. Für legale Forschung stehen bei shop-lsd.de NpSG-konforme LSD-Derivate wie 1BP-LSD zur Verfügung.

Geschichte der LSD-Therapie: Von Hofmann bis zur Renaissance

Die Geschichte der therapeutischen LSD-Forschung beginnt am 19. April 1943, als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann die psychoaktive Wirkung von Lysergsäurediethylamid an sich selbst entdeckte. Bereits in den 1950er-Jahren erkannten Psychiater das therapeutische Potenzial der Substanz — und es begann eine der produktivsten Forschungsperioden der Psychiatriegeschichte.

Die erste Welle: 1950–1970

Zwischen 1950 und 1970 wurden weltweit über 1.000 wissenschaftliche Publikationen zu LSD in der Psychotherapie veröffentlicht. Mehr als 40.000 Patienten erhielten LSD im Rahmen klinischer Studien oder therapeutischer Sitzungen. Zwei Hauptansätze kristallisierten sich heraus:

  • Psycholytische Therapie — entwickelt von Ronald Sandison in Großbritannien und Hanscarl Leuner in Deutschland. Niedrige bis mittlere Dosen (25–150 µg) wurden in Kombination mit Gesprächstherapie eingesetzt. Die Substanz sollte den Zugang zu unbewusstem Material erleichtern und die therapeutische Beziehung vertiefen. Typisch waren Serienbehandlungen über mehrere Wochen.
  • Psychedelische Therapie — entwickelt von Humphry Osmond und Abram Hoffer in Kanada. Eine oder wenige hohe Dosen (200–500 µg) wurden in einem sorgfältig vorbereiteten Setting verabreicht, um eine transformative, mystische Erfahrung auszulösen. Besonders erfolgreich bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit — eine historische Analyse zeigt Abstinenzraten von bis zu 50 % nach einer einzigen Sitzung.

Der Psychiater Stanislav Grof gehörte zu den bedeutendsten Forschern dieser Ära. In über 4.000 therapeutischen LSD-Sitzungen entwickelte er die Grundlagen der transpersonalen Psychologie und dokumentierte systematisch die therapeutischen Mechanismen der psychedelischen Erfahrung.

Forschungsstopp und Renaissance

Die Klassifikation von LSD als Schedule-I-Substanz (1970 in den USA, 1971 international) beendete die Forschung abrupt. Erst ab 2006 — mit einer Pilotstudie von Peter Gasser in der Schweiz — begann die systematische Wiederaufnahme klinischer LSD-Studien. Seit 2014 veröffentlichte Gasser die Ergebnisse der weltweit ersten kontrollierten LSD-Studie seit 40 Jahren: LSD-assistierte Psychotherapie reduzierte die Angst bei Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen signifikant — ein Effekt, der über 12 Monate anhielt.

LSD und Depressionen — Was sagt die Forschung?

Die Frage „Kann LSD bei Depressionen helfen?" ist eine der meistgestellten in der psychedelischen Forschung — und die wissenschaftliche Evidenz wächst. Obwohl die Datenlage noch begrenzt ist, weisen mehrere Studienlinien auf ein antidepressives Potenzial hin.

Neurobiologische Mechanismen

LSD wirkt primär als Agonist am Serotonin-5-HT2A-Rezeptor — demselben Rezeptor, an dem auch klassische Antidepressiva (SSRIs) indirekt wirken. Die Wirkung von LSD unterscheidet sich jedoch fundamental von konventionellen Antidepressiva:

MerkmalKlassische Antidepressiva (SSRI)LSD (psychedelische Therapie)
WirkmechanismusSerotonin-WiederaufnahmehemmungDirekte 5-HT2A-Agonismus
Wirkungseintritt2–6 WochenStunden bis Tage
AnwendungsdauerMonate bis Jahre (täglich)1–3 Sitzungen
NeuroplastizitätGraduell, über BDNFRapid, über mTOR + BDNF
Default Mode NetworkMinimale VeränderungSignifikante Desintegration + Reintegration

Besonders die Wirkung auf das Default Mode Network (DMN) — ein Netzwerk von Hirnregionen, das bei Selbstreflexion, Grübeln und depressivem Denken aktiv ist — wird als zentraler Mechanismus diskutiert. LSD löst eine vorübergehende Auflösung der rigiden DMN-Konnektivität aus, was nach der Sitzung zu flexibleren Denkmustern führen kann. Für ein tieferes Verständnis der neurochemischen Grundlagen lesen Sie unseren Artikel zur LSD-Chemie und Molekülstruktur.

Klinische Studien

Die wichtigsten Studienergebnisse zu LSD bei Depressionen:

  • Gasser et al. (2014): LSD-assistierte Psychotherapie (200 µg, 2 Sitzungen) reduzierte Angst und depressive Symptome bei Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen. Effekte hielten über 12 Monate an.
  • Schmid & Liechti (2018): Akute LSD-Gabe (100 µg) erhöhte positive Stimmung, Empathie und Offenheit bei gesunden Probanden — Eigenschaften, die bei Depression typischerweise reduziert sind.
  • Holze et al. (2022, Universität Basel): In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie zeigte LSD (100 µg) eine signifikante Reduktion depressiver Symptome bei Patienten mit klinischer Depression. Die Studie war die erste moderne RCT zu LSD bei Depression.
  • Family et al. (2020): Neuroimaging-Studie zeigte, dass LSD die emotionale Verarbeitung verändert — Probanden reagierten weniger auf negative und stärker auf positive Stimuli. Dieser Mechanismus könnte dem bei Depression typischen „negativen Bias" entgegenwirken.

Ist LSD antidepressiv? Die bisherigen Daten deuten darauf hin — jedoch ist die Evidenzbasis noch zu klein für definitive Schlussfolgerungen. Große Phase-II/III-Studien laufen aktuell.

LSD und PTSD — Traumatherapie mit Psychedelika

Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) gehört zu den schwer behandelbaren psychiatrischen Erkrankungen — etwa 30–50 % der Betroffenen sprechen nicht ausreichend auf konventionelle Therapien an. Die psychedelisch-assistierte Therapie eröffnet hier neue Perspektiven.

Obwohl MDMA (Ecstasy) in der PTSD-Forschung weiter fortgeschritten ist (Phase-III-Studien abgeschlossen), gibt es zunehmende Hinweise auf das Potenzial von LSD bei PTSD. Der Wirkmechanismus ähnelt dem bei Depression: Die vorübergehende Auflösung rigider Denkmuster durch DMN-Desintegration kann es Patienten ermöglichen, traumatische Erinnerungen in einem sicheren therapeutischen Setting neu zu verarbeiten — ohne die übliche emotionale Überflutung.

Die frühen Arbeiten von Stanislav Grof dokumentieren zahlreiche Fälle, in denen LSD-Therapie den Zugang zu verdrängtem traumatischem Material erleichterte. Moderne Studien wie die von Gasser (2014) zeigten, dass LSD-assistierte Psychotherapie existenzielle Angst bei schwerkranken Patienten signifikant reduzierte — ein verwandtes Phänomen. Informationen zu möglichen psychischen Risiken finden Sie in unserem separaten Artikel.

LSD und ADHS — Ein aufkommendes Forschungsfeld

Die Frage „Hilft LSD bei ADHS?" gewinnt in der neurowissenschaftlichen Community zunehmend an Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist durch Dysregulation dopaminerger und noradrenerger Systeme gekennzeichnet — und LSD beeinflusst beide Neurotransmittersysteme.

Aktuell liegen keine abgeschlossenen klinischen Studien zu LSD bei ADHS vor. Jedoch gibt es mehrere relevante Beobachtungen:

  • Microdosing-Berichte: In Umfragestudien (z. B. Hutten et al., 2019) berichten Personen mit ADHS-Symptomen über verbesserte Konzentration und reduzierte Impulsivität durch LSD-Microdosing (10–20 µg alle 3 Tage). Kontrollierte Studien fehlen jedoch.
  • Mechanistische Plausibilität: LSD erhöht die Dopamin-Ausschüttung im präfrontalen Kortex — demselben Mechanismus, über den auch Methylphenidat (Ritalin) bei ADHS wirkt.
  • Laufende Forschung: Mehrere Forschergruppen untersuchen aktuell den Zusammenhang zwischen serotonerger Modulation und ADHS-Symptomatik. Ergebnisse werden frühestens 2027 erwartet.

Wichtig: Es gibt derzeit keine ausreichende Evidenz, um LSD als ADHS-Behandlung zu empfehlen. Betroffene sollten sich an qualifizierte Fachärzte wenden.

LSD und Antidepressiva — Wechselwirkungen und Risiken

Die Kombination von LSD und Antidepressiva ist ein klinisch relevantes Thema, das bei der therapeutischen Anwendung und in der Forschung berücksichtigt werden muss.

SSRIs und SNRIs

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs wie Fluoxetin, Sertralin, Citalopram) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs wie Venlafaxin) verringern die subjektive Wirkung von LSD erheblich. Dies geschieht durch eine Downregulation der 5-HT2A-Rezeptoren bei chronischer SSRI-Einnahme. In klinischen Studien müssen SSRIs daher typischerweise 2–4 Wochen vor der LSD-Sitzung ausgewaschen werden — unter ärztlicher Aufsicht.

MAO-Hemmer

Monoaminooxidase-Hemmer (MAOIs) können die Wirkung von LSD verstärken und verlängern. Die Kombination wird in der klinischen Forschung als riskant eingestuft und erfordert besondere Vorsicht. Weitere Informationen zu Wechselwirkungen und Sicherheitsaspekten finden Sie in unserem separaten Leitfaden.

Lithium und trizyklische Antidepressiva

Die Kombination von LSD mit Lithium wurde in Fallberichten mit schweren Nebenwirkungen in Verbindung gebracht (Krampfanfälle, kardiovaskuläre Komplikationen). Trizyklische Antidepressiva können die LSD-Wirkung unvorhersehbar verändern. Beide Kombinationen gelten in der Forschung als kontraindiziert.

LSD-Therapie in Deutschland, Schweiz und Österreich

Der rechtliche Status von LSD bestimmt den Zugang zur psychedelischen Psychotherapie in den deutschsprachigen Ländern. Die Situation unterscheidet sich erheblich:

Deutschland

LSD ist in Deutschland als Anlage-I-Substanz im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) gelistet — Herstellung, Besitz und Handel sind verboten. LSD-Therapie in Deutschland ist aktuell nur im Rahmen klinischer Studien möglich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kann theoretisch individuelle Ausnahmegenehmigungen erteilen, dies geschieht jedoch äußerst selten. Für die rechtliche Einordnung von LSD in Deutschland verweisen wir auf unseren ausführlichen Ratgeber.

Es gibt derzeit keine zugelassene LSD-Therapie in Köln, München, Hamburg oder anderen deutschen Städten außerhalb klinischer Studien. Angebote, die eine „legale LSD-Therapie" in Deutschland versprechen, sind mit Vorsicht zu genießen.

Schweiz

Die Schweiz nimmt eine Vorreiterrolle ein. Seit 2014 kann das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Ausnahmebewilligungen für den beschränkten medizinischen Einsatz von LSD und Psilocybin erteilen — im Rahmen der sogenannten „compassionate use"-Regelung. Mehrere Schweizer Psychiater, darunter Peter Gasser in Solothurn, arbeiten mit solchen Bewilligungen. LSD-Therapie in der Schweiz ist damit grundsätzlich möglich, aber an strenge behördliche Auflagen gebunden (Basel, Zürich, Solothurn).

Österreich

In Österreich ist LSD ebenfalls dem Suchtmittelgesetz unterstellt. Klinische Studien sind möglich, eine routinemäßige therapeutische Anwendung existiert derzeit nicht. Die Medical University of Vienna (MedUni Wien) gehört jedoch zu den aktiven Forschungsstandorten für psychedelische Therapie in Europa.

Kann man sich LSD verschreiben lassen?

Die kurze Antwort: In Deutschland — nein. LSD ist kein zugelassenes Arzneimittel und kann von Ärzten nicht verschrieben werden. Auch Privatrezepte sind nicht möglich, da LSD als Anlage-I-Substanz keiner medizinischen Verwendung zugeordnet ist.

In der Schweiz ist eine ärztliche Anwendung unter Ausnahmebewilligung möglich, aber kein „Verschreiben" im klassischen Sinne — die Substanz wird ausschließlich in kontrollierten, supervidierten Sitzungen verabreicht.

Was jedoch möglich ist: die Teilnahme an klinischen Studien. Universitätskliniken in Basel (Universität Basel, Prof. Matthias Liechti), Zürich und London führen aktiv Studien durch, für die sich Patienten mit therapieresistenter Depression oder Angststörungen bewerben können.

LSD-Derivate in der Forschung

Neben LSD-25 (dem klassischen LSD) gewinnen LSD-Derivate zunehmend an Bedeutung für die therapeutische Forschung. Diese Prodrugs von LSD sind in Deutschland nicht unter dem BtMG erfasst und ermöglichen legale wissenschaftliche Untersuchungen:

  • 1BP-LSD (1-Butyryllysergsäurediethylamid) — das derzeit wichtigste NpSG-konforme LSD-Derivat. Als 1BP-LSD 300 µg Blotter für Forschungszwecke erhältlich, eignet es sich für In-vitro- und In-vivo-Studien zur Serotonin-Rezeptor-Pharmakologie.
  • 1D-LSD — ein weiteres Prodrug, das in der Forschung verwendet wird. Mehr dazu in unserem 1D-LSD vs. 1S-LSD Vergleich.

Diese Derivate werden nach enzymatischer Abspaltung der Schutzgruppe in LSD-25 umgewandelt — sie ermöglichen der Forschung damit einen kontrollierten, legalen Zugang zu den pharmakologischen Eigenschaften von Lysergsäurediethylamid. Für die verschiedenen Arten und Formen von LSD gibt es einen eigenen Überblicksartikel.

Wie wird LSD in der Therapie eingesetzt? — Ablauf einer Sitzung

Die psychedelisch-assistierte LSD-Psychotherapie folgt einem standardisierten Protokoll, das sich in drei Phasen gliedert:

1. Vorbereitung (Preparation)

Über 2–6 Sitzungen wird der Patient auf die psychedelische Erfahrung vorbereitet. Der Therapeut baut eine Vertrauensbeziehung auf, klärt über die Wirkung von LSD auf, identifiziert therapeutische Ziele und erstellt einen Sicherheitsplan. Kontraindikationen wie Psychoserisiko, Herzerkrankungen oder Schwangerschaft werden ausgeschlossen.

2. Dosierungssitzung (Dosing Session)

In einer kontrollierten Umgebung (meist ein wohnlich eingerichteter Therapieraum, nicht eine klinische Umgebung) erhält der Patient eine definierte LSD-Dosis — typischerweise 100–200 µg. Die Sitzung dauert 8–12 Stunden und wird von zwei Therapeuten begleitet. Der Patient trägt häufig eine Augenmaske und hört Musik, um die innere Erfahrung zu vertiefen. Die Therapeuten intervenieren minimal und bieten Unterstützung bei Bedarf. Grundlegende Informationen zur Einnahme und zu Konsumformen liefert unser Grundlagenartikel.

3. Integration

In den Tagen und Wochen nach der Sitzung wird die Erfahrung in 3–6 Integrationssitzungen therapeutisch verarbeitet. Der Patient reflektiert die aufgetauchten Einsichten, Emotionen und Bilder und lernt, diese in seinen Alltag zu übertragen. Die Integration gilt als der therapeutisch entscheidende Schritt — die psychedelische Erfahrung allein, ohne Einbettung in einen therapeutischen Prozess, hat begrenzte langfristige Wirkung.

Risiken und Kontraindikationen der LSD-Therapie

Trotz des therapeutischen Potenzials ist die LSD-Therapie nicht risikofrei. Die wichtigsten Risikofaktoren:

  • Psychoserisiko: Personen mit persönlicher oder familiärer Vorgeschichte von Psychosen, Schizophrenie oder bipolarer Störung sind von klinischen Studien ausgeschlossen. LSD kann latente Psychosen auslösen — eine ausführliche Analyse finden Sie unter LSD und Psychose.
  • Kardiovaskuläre Belastung: LSD erhöht Blutdruck und Herzfrequenz. Patienten mit unkontrolliertem Bluthochdruck oder Herzerkrankungen sind kontraindiziert.
  • Psychische Belastung: Ein LSD-Trip kann intensive, emotional herausfordernde Erfahrungen auslösen. In der kontrollierten Therapieumgebung werden diese aufgefangen; ohne professionelle Begleitung besteht ein erhöhtes Risiko für psychische Belastung.
  • HPPD (Hallucinogen Persisting Perception Disorder): In seltenen Fällen können nach LSD-Einnahme anhaltende visuelle Phänomene auftreten. Das Risiko wird in der klinischen Literatur als sehr gering eingestuft (<1 %).

FAQ — Häufige Fragen zur LSD-Therapie

Kann LSD bei Depressionen helfen?

Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass LSD-assistierte Psychotherapie antidepressive Effekte haben kann. Studien der Universität Basel (Holze et al., 2022) zeigten eine signifikante Reduktion depressiver Symptome nach einer einzigen LSD-Sitzung (100 µg). LSD wirkt über den 5-HT2A-Rezeptor und beeinflusst das Default Mode Network, das bei Depression hyperaktiv ist. Allerdings ist die Datenlage noch begrenzt — LSD ist kein zugelassenes Antidepressivum und sollte ausschließlich im Rahmen klinischer Studien oder unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.

Kann man sich LSD verschreiben lassen?

In Deutschland ist es nicht möglich, sich LSD verschreiben zu lassen. LSD ist als Anlage-I-Substanz im BtMG klassifiziert und hat keine medizinische Zulassung. In der Schweiz können Psychiater über eine Ausnahmebewilligung des BAG LSD im Rahmen der „compassionate use"-Regelung einsetzen — dies ist jedoch kein reguläres Rezept, sondern eine supervisierte therapeutische Anwendung unter strengen Auflagen.

Wird LSD therapeutisch eingesetzt?

Ja, LSD wird aktuell in klinischen Studien therapeutisch eingesetzt — vor allem bei therapieresistenter Depression, Angststörungen und existenzieller Angst bei lebensbedrohlichen Erkrankungen. In der Schweiz ist eine therapeutische Anwendung unter behördlicher Ausnahmebewilligung möglich. In Deutschland und Österreich beschränkt sich der Einsatz auf klinische Studien an Universitätskliniken.

Ist LSD antidepressiv?

LSD zeigt in wissenschaftlichen Studien antidepressive Eigenschaften, wirkt aber auf einem grundlegend anderen Weg als klassische Antidepressiva. Während SSRIs die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen und Wochen brauchen, wirkt LSD direkt am 5-HT2A-Rezeptor und kann nach einer einzigen Sitzung zu anhaltenden Stimmungsverbesserungen führen. Die Forschung dazu befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium, und LSD ist nicht als Antidepressivum zugelassen.

Hilft LSD bei ADHS?

Es gibt derzeit keine klinischen Studien, die LSD als ADHS-Behandlung belegen. Anekdotische Berichte von Personen, die LSD-Microdosing zur Konzentrationsverbesserung nutzen, sind nicht als wissenschaftliche Evidenz zu werten. LSD beeinflusst zwar dopaminerge Systeme, die bei ADHS eine Rolle spielen, aber ein therapeutischer Einsatz wäre spekulativ. ADHS-Betroffene sollten sich an qualifizierte Fachärzte wenden.

Gibt es LSD-Therapie in Deutschland?

Eine zugelassene LSD-Therapie gibt es in Deutschland derzeit nicht. LSD unterliegt dem BtMG (Anlage I), weshalb weder Ärzte noch Therapeuten es legal verschreiben oder verabreichen dürfen. Die einzige Möglichkeit ist die Teilnahme an klinischen Studien — etwa an der Charité Berlin oder an Universitätskliniken, die psychedelische Forschung betreiben. In der Schweiz ist die Situation etwas offener (Ausnahmebewilligungen des BAG).

Kann LSD Depressionen heilen?

Von einer „Heilung" im medizinischen Sinne kann man bei Depression generell nicht sprechen — auch nicht mit LSD. Was die Forschung zeigt: LSD-assistierte Psychotherapie kann bei einigen Patienten zu anhaltenden Verbesserungen der depressiven Symptomatik führen, die über Monate bestehen bleiben. Dies gilt besonders für therapieresistente Depression, bei der konventionelle Behandlungen versagt haben. LSD ist dabei kein Wundermittel, sondern ein Werkzeug innerhalb eines strukturierten therapeutischen Prozesses.

Wie wird LSD in der Therapie eingesetzt?

LSD wird in der psychedelisch-assistierten Psychotherapie nach einem dreiphasigen Protokoll eingesetzt: (1) Vorbereitung über mehrere Sitzungen (Vertrauensaufbau, Zielsetzung, Aufklärung); (2) Dosierungssitzung in einer kontrollierten Umgebung mit therapeutischer Begleitung (8–12 Stunden, typischerweise 100–200 µg); (3) Integration — die psychedelische Erfahrung wird in Folgesitzungen therapeutisch verarbeitet und in den Alltag übertragen.

Was ist der Unterschied zwischen LSD und Antidepressiva?

Klassische Antidepressiva (SSRIs) werden täglich über Monate eingenommen und wirken durch graduelle Veränderung des Serotonin-Haushalts. LSD wird in der therapeutischen Forschung in wenigen Sitzungen eingesetzt und wirkt über direkte 5-HT2A-Rezeptor-Aktivierung sowie eine vorübergehende Reorganisation neuronaler Netzwerke. Wichtig: LSD und SSRIs interagieren — SSRIs schwächen die LSD-Wirkung ab. Ein Absetzen von Antidepressiva vor einer LSD-Sitzung darf nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Wird LSD in der Medizin verwendet?

LSD wird aktuell nicht routinemäßig in der Medizin verwendet, aber es wird intensiv in klinischen Studien untersucht. Forschungsschwerpunkte sind therapieresistente Depression, Angst bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, Cluster-Kopfschmerzen und Suchterkrankungen. In der Schweiz kann LSD unter Ausnahmebewilligung für einzelne Patienten eingesetzt werden. Eine breite medizinische Zulassung existiert jedoch in keinem Land.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Gasser, P., Holstein, D., Michel, Y. et al. (2014). Safety and Efficacy of Lysergic Acid Diethylamide-Assisted Psychotherapy for Anxiety Associated With Life-threatening Diseases. Journal of Nervous and Mental Disease, 202(7), 513–520.
  • Holze, F., Gasser, P., Müller, F. et al. (2022). Lysergic Acid Diethylamide–Assisted Therapy in Patients With Anxiety With and Without a Life-Threatening Illness. Biological Psychiatry.
  • Schmid, Y. & Liechti, M. E. (2018). Long-lasting subjective effects of LSD in normal subjects. Psychopharmacology, 235(2), 535–545.
  • Grof, S. (1980). LSD Psychotherapy. Hunter House.
  • Passie, T. et al. (2008). The pharmacology of lysergic acid diethylamide: a review. CNS Neuroscience & Therapeutics, 14(4), 295–314.

Stand: März 2026. Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert, wenn neue Studienergebnisse veröffentlicht werden. Alle Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. LSD unterliegt in Deutschland dem BtMG. Für legale Forschung bietet shop-lsd.de NpSG-konforme LSD-Derivate an.

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