Am 16. November 1938 synthetisierte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann in den Laboratorien der Firma Sandoz in Basel die 25. Substanz einer Reihe von Lysergsäure-Derivaten. Er nannte sie LSD-25 — Lysergsäurediethylamid, Versuchsnummer 25. Es sollte fast fünf Jahre dauern, bis Hofmann die psychoaktive Wirkung dieser Verbindung entdeckte — am 16. April 1943, gefolgt vom berühmten Bicycle Day am 19. April. Dies ist die vollständige Geschichte der LSD-Entdeckung.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Forschungszwecken. LSD unterliegt in Deutschland dem BtMG. Für legale Forschung stehen bei shop-lsd.de NpSG-konforme Derivate wie 1BP-LSD zur Verfügung.
Hofmanns Forschungsgebiet waren Mutterkornalkaloide — Substanzen aus dem Pilz Claviceps purpurea, der auf Roggen parasitiert. Mutterkorn enthält Lysergsäure, eine Verbindung mit vielfältigen pharmakologischen Eigenschaften. Hofmanns Auftrag bei Sandoz: systematische Derivatisierung der Lysergsäure, um neue Medikamente zu finden.
LSD-25 war die 25. Verbindung in dieser Reihe. Hofmann synthetisierte es als potenzielles Kreislauf- und Atemstimulans — basierend auf der Strukturähnlichkeit mit Nikethamid (Coramin), einem damals gebräuchlichen Analeptikum. Die chemische Struktur von LSD vereint das Lysergsäure-Grundgerüst mit einer Diethylamid-Seitenkette.
Die pharmakologische Abteilung von Sandoz testete LSD-25 an Versuchstieren. Das Ergebnis: moderate uterotone Wirkung (Gebärmutterkontraktionen, wie bei anderen Ergot-Alkaloiden), aber keine bemerkenswerte analeptische Aktivität. Die Substanz wurde als „uninteressant" eingestuft und in den Akten vermerkt. Fünf Jahre lang ruhte LSD-25 in der Sandoz-Datenbank.
Am 16. April 1943 beschloss Hofmann, LSD-25 erneut zu synthetisieren — ein ungewöhnlicher Schritt, da Substanzen, die in der ersten Prüfung „durchgefallen" waren, normalerweise nicht wiederholt wurden. Hofmann beschrieb es später als „eigenartige Ahnung", dass bei LSD-25 etwas übersehen worden sein könnte.
Während der Synthese erlebte Hofmann plötzlich unerwartete Symptome:
„Ich wurde von einer merkwürdigen Unruhe erfasst, die mit einem leichten Schwindelgefühl verbunden war. Zu Hause legte ich mich nieder und versank in einen nicht unangenehmen rauschartigen Zustand, der sich durch eine äußerst angeregte Phantasie kennzeichnete. Im Dämmerzustand bei geschlossenen Augen drangen ununterbrochen phantastische Bilder von außerordentlicher Plastizität und mit intensivem, kaleidoskopartigem Farbenspiel auf mich ein."
— Albert Hofmann, „LSD — mein Sorgenkind" (1979)
Hofmann vermutete, dass er versehentlich eine minimale Menge LSD über die Haut oder durch Einatmung aufgenommen hatte. Die Intensität der Erfahrung durch eine so geringe Menge war beispiellos — keine bekannte Substanz wirkte in derart niedrigen Dosen psychoaktiv.
Drei Tage später, am 19. April 1943, führte Hofmann den weltweit ersten geplanten LSD-Selbstversuch durch. Er nahm 250 µg (0,25 mg) ein — eine Dosis, die er als „vorsichtige Einstiegsdosis" betrachtete, basierend auf den bekannten Dosierungen anderer Ergot-Alkaloide.
Was Hofmann nicht wusste: 250 µg ist eine starke bis sehr starke LSD-Dosis. Die Wirkung von LSD setzt bereits bei 25 µg ein — Hofmann hatte das Zehnfache einer Schwellendosis genommen.
| Uhrzeit | Ereignis |
|---|---|
| 16:20 | Einnahme von 250 µg LSD-25 in wässriger Lösung |
| 17:00 | Erste Symptome: Schwindel, Angst, Sehstörungen, Lachreiz und -krampf |
| ~17:10 | Hofmann bricht den Laborversuch ab und bittet seinen Assistenten Susi Ramstein, ihn nach Hause zu begleiten |
| 17:10–17:30 | Die Fahrradfahrt — Hofmann fährt mit dem Fahrrad nach Hause (Autos waren kriegsbedingt nicht verfügbar). Die psychedelische Wirkung setzt während der Fahrt voll ein. |
| 17:30–20:00 | Höhepunkt: Extreme visuelle Verzerrungen, Angst, das Gefühl „verrückt zu werden", die Nachbarin erscheint als „bösartige Hexe". Hofmann fürchtet, sich vergiftet zu haben. |
| 20:00–22:00 | Die Angst weicht einem Gefühl der Freude. Hofmann genießt die visuellen Effekte: „Kaleidoskopartige, phantastische Bilder drangen auf mich ein, abwechselnd, buntfarbig." |
| 22:00+ | Abklingen der Wirkung. Am nächsten Morgen: „Empfindung von Wohlbefinden und neuem Leben." |
Der Bicycle Day — der 19. April — wird heute weltweit als inoffizieller Gedenktag der LSD-Entdeckung gefeiert. Das berühmte LSD-Fahrrad-Bild, das Hofmann auf seinem Fahrrad zeigt, ist zu einem ikonischen Symbol der psychedelischen Kultur geworden.
Sandoz erkannte schnell das Potenzial der Entdeckung. Hofmann und sein Team führten weitere Tierversuche und Selbstversuche mit niedrigeren Dosen durch. 1947 brachte Sandoz LSD unter dem Handelsnamen Delysid auf den Markt — als Adjuvans für die Psychotherapie. Die medizinische Geschichte von LSD begann.
Hofmann betrachtete LSD zeit seines Lebens mit einer Mischung aus Stolz und Sorge — daher der Titel seiner Autobiografie „LSD — Mein Sorgenkind" (1979). Er bedauerte die unkontrollierte Verbreitung in den 1960er-Jahren, hielt aber an der Überzeugung fest, dass LSD ein wertvolles Werkzeug für Psychiatrie und Bewusstseinsforschung ist. Hofmann starb am 29. April 2008 im Alter von 102 Jahren in Burg im Leimental bei Basel.
Die Ereignisse nach 1943 — die Forschungsboom der 1950er, die Gegenkultur, das Verbot, die Renaissance — werden im Artikel LSD Geschichte ausführlich behandelt. Die kulturellen Auswirkungen dokumentiert LSD in Gesellschaft und Kultur.
Albert Hofmann war nicht nur der Entdecker von LSD. Seine weiteren Beiträge zur Chemie:
| Jahr | Entdeckung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1938 | LSD-25 (Synthese) | Potenzteste psychoaktive Substanz |
| 1943 | LSD-25 (psychoaktive Wirkung) | Begründung der Psychedelik-Forschung |
| 1958 | Psilocybin & Psilocin | Isolierung der Wirkstoffe aus Psilocybe-Pilzen |
| 1960er | Ololiuqui (LSA) | Identifikation von Lysergsäureamid in Winden-Samen |
| 1962 | Methergine | Mutterkornalkaloid gegen Blutungen nach Geburt |
Hofmann war einer der produktivsten Naturstoffchemiker des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeit an Mutterkornalkaloiden führte zu Medikamenten, die bis heute in der Geburtshilfe eingesetzt werden. Die Entdeckung von LSD war — wie er selbst sagte — ein „Zufallskind" dieser systematischen Forschung.
Hofmanns Erstaunen über die extrem niedrige wirksame Dosis war berechtigt. LSD wirkt im Mikrogramm-Bereich — tausendmal potenter als die meisten anderen psychoaktiven Substanzen. Die chemische Erklärung: LSD passt extrem präzise in die Bindungstasche des Serotonin-5-HT2A-Rezeptors. Die Kristallstruktur (Wacker et al., 2017) zeigt, dass sich ein „Deckel" (Rezeptor-Lid) über das gebundene LSD-Molekül schließt — dies erklärt sowohl die extreme Potenz als auch die 8–12-stündige Wirkdauer.
Zum Vergleich: 100 µg LSD wiegen weniger als ein Staubkorn. Diese Menge reicht für eine vollständige psychedelische Erfahrung — ein Phänomen, das in der Pharmakologie einzigartig ist. Mehr zur Frage Was ist LSD? finden Sie in unserem Grundlagenartikel.
Albert Hofmann (1906–2008), ein Schweizer Chemiker bei der Firma Sandoz (heute Novartis) in Basel. Er synthetisierte LSD-25 erstmals am 16. November 1938 und entdeckte dessen psychoaktive Wirkung zufällig am 16. April 1943, als er versehentlich eine minimale Menge über die Haut aufnahm. Der erste geplante Selbstversuch folgte am 19. April 1943 — dem Bicycle Day.
Der Bicycle Day (19. April) erinnert an Albert Hofmanns ersten geplanten LSD-Selbstversuch am 19. April 1943. Hofmann nahm 250 µg LSD ein und fuhr anschließend mit dem Fahrrad von seinem Labor nach Hause — während die psychedelische Wirkung einsetzte. Autos waren kriegsbedingt nicht verfügbar. Diese Fahrradfahrt ist zum Symbol der LSD-Entdeckung geworden und wird weltweit als inoffizieller Gedenktag gefeiert.
LSD wurde in zwei Schritten „entdeckt": Die chemische Synthese erfolgte am 16. November 1938. Die psychoaktive Wirkung wurde am 16. April 1943 zufällig entdeckt, als Hofmann versehentlich eine Spur der Substanz aufnahm. Der erste geplante Selbstversuch war am 19. April 1943 (Bicycle Day). Zwischen Synthese und Wirkungsentdeckung lagen also fast fünf Jahre.
Das ikonische LSD-Fahrrad-Bild zeigt Albert Hofmann auf seinem Fahrrad während des historischen Bicycle Day am 19. April 1943. Es existiert in verschiedenen künstlerischen Interpretationen — die bekannteste stammt von dem Künstler Brian Blomerth. Das Motiv ist zu einem universellen Symbol der psychedelischen Kultur geworden und ziert Poster, T-Shirts und Blotter-Art weltweit.
Die Tierversuche 1938 testeten auf Kreislauf- und Atemstimulation — die damals gesuchten Wirkungen. Psychoaktive Effekte bei Tieren (Unruhe, abweichendes Verhalten) wurden zwar beobachtet, aber als unspezifisch eingestuft. Die Tierversuchsprotokolle der 1930er-Jahre waren nicht darauf ausgelegt, subtile Verhaltensänderungen zu erkennen. Erst Hofmanns Selbstversuch 1943 offenbarte die psychoaktiven Eigenschaften.
Rechtlicher Hinweis: LSD (Lysergsäurediethylamid) ist in Deutschland nach dem BtMG Anlage I reguliert. Dieser Artikel dient der wissenschaftshistorischen Dokumentation. Für legale Forschung mit LSD-Derivaten besuchen Sie unseren Shop — alle Produkte sind NpSG-konform und ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt.
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